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07.04.2020, 10.35

Die Verehrung der heiligen Corona ist besonders in Bayern und Österreich sehr verbreitet und Sie gehört zu jenen Heiligen, die in Seuchenzeiten um Hilfe angerufen werden. Daher stellen wir die heilige Corona, deren Gedenktag die Kirche am 14. Mai feiert, in diesem Beitrag vor.
Zum Grab der heiligen Corona kann man gegenwärtig nicht pilgern, denn die „Basilika der heiligen Viktor und Corona“ mit dem Hauptreliqienschrein befindet sich bei Feltre in der norditalienischen Region Venetien – eine der ersten, die aufgrund der Verbreitung des Virus abgeriegelt wurde. Die romanische Basilika mit byzantinischen Einflüssen wurde von 1096 bis 1101 – zur Zeit des Ersten Kreuzzugs – als Teil einer Befestigungsanlage erbaut und erhebt sich majestätisch vor einem Bergmassiv
der Dolomiten. Über eine lange steinerne Freitreppe gelangt man zum Herzstück der Anlage in Form eines griechischen Kreuzes: dem Reliquienschrein der beiden Heiligen, der auf einem von vier Säulen getragenen Marmorsockel steht.
Über die Lebensgeschichte der heiligen Corona und ihres Gefährten Viktor geben lateinische, griechische und koptische Quellen Auskunft, deren Berichte allerdings sehr stark voneinander abweichen. Einem Text zufolge, der von einem Diakon der Kirche in Antiochien im vierten Jahrhundert
verfasst wurde, war Viktor ein christlicher Soldat aus Kleinasien, der in der Christenverfolgung unter Kaiser Mark Aurel im zweiten Jahrhundert angeklagt, gefoltert und schließlich enthauptet wurde. Corona, ebenfalls eine Christin, war dieser Quelle zufolge die erst sechzehnjährige Verlobte eines Kameraden, die Viktor aufsuchte, um ihn, Mut zu machen und ihn zu trösten, und die daher ebenfalls ein schreckliches Martyrium erleiden musste: Ihre Füße wurden an zwei zur Erde gebeugte Palmen gefesselt, die sie beim Hochschnellen bei lebendigem Leib zerrissen.
Während diese Quelle das Geschehen in Antiochien ansiedelt, geben andere Quellen Damaskus,  Alexandria in Ägypten oder Sizilien als Ort des Martyriums an. Uneinigkeit herrscht auch über das Datum, das im zweiten und dem vierten Jahrhundert angesetzt wird. Dem „Martyrologium Romanum“ zufolge, das keine Jahresangabe enthält, geschah das Martyrium an einem 14. Mai in Syrien. Anschließend sollen die Reliquien nach Zypern gelangt sein und werden seit dem neunten Jahrhundert
in Feltre aufbewahrt. Sie wurden 1943 und 1981 kirchlich rekognisziert. Dabei wurde festgestellt, dass es sich bei ihnen um die sterblichen Überreste eines Mannes und einer Frau handelt. Durch Pflanzenpollen, die bei der Untersuchung gefunden wurden, konnten die Reliquien auf das zweite Jahrhundert datiert und ihre Herkunft aus dem Mittelmeerraum bestätigt werden.
Von Italien aus, wo die heilige Corona die Schutzpatronin der Diözese Belluno-Feltre ist, verbreitete sich ihre Verehrung auch im deutschsprachigen Raum. Kaiser Otto III. brachte Corona-Reliquien nach
Aachen. Zusammen mit den Reliquien eines weiteren frühchristlichen Märtyrers, des heiligen Leopardus, werden sie im Corona-Leopardus-Schrein im Aachener Dom aufbewahrt. Die Corona-Verehrung ist auch für den Bremer Dom in vorreformatorischer Zeit belegt. Ebenso gibt es bis
heute Corona-Wallfahrten, etwa in St. Corona am Schöpfl Im Wienerwald und St. Corona am Wechsel in Niederösterreich sowie in Niederbayern St. Corona bei Staudach in Massing und die Wallfahrtskirche
Maria Krönung in Handlab, wo ein Gnadenbild der heiligen Corona aus dem Jahr 1480 verehrt wird.
Die heilige Corona ist die Patronin des Geldes, der Fleischer und der Schatzsucher, und sie wird ganz besonders in Seuchenzeiten angerufen, was sie gerade im gegenwärtigen Augenblick zu einer wichtigen
Fürsprecherin macht. In einem Waldstück in Sauerlach vor den Toren von München lädt eine Corona-Kapelle mit folgenden Worten zum stillen Gebet ein: „Müder Wanderer stehe still, mach bei Sankt Corona Rast. Dich im Gebet ihr fromm empfiehl, wenn Du manch Kummer und Sorgen hast.“

 

Quelle: Claudia Kock, Die Wochenheilige, Die heilige Corona, in: Die Tagespost, 19. März 2020, Jahrgang 73, Nr. 12, S. 15.